
Beschreibung
Krebsbehandlungen können zu Entzündungen der Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes führen. Bei einer leichten Form ist die Schleimhaut gerötet, fühlt sich pelzig an und schmerzt. Es können aber auch Belege und Geschwüre entstehen. Dadurch wird die Nahrungsaufnahme erschwert.
Zudem können Krankheitserreger durch die entzündete Schleimhaut eindringen. Daher sind die Beobachtung der Mundschleimhaut und eine sorgfältige Mundpflege sehr wichtig. Je nach Ausprägung wird die Mukositis in verschiedene Schweregrade eingeteilt.
Sehr oft entstehen Schleimhautentzündungen bei hochdosierten Chemotherapien und bei Strahlentherapien des Mund-, Nasen- und Rachenraumes. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Patientenleitlinie zur Supportiven Therapie (2018).
Behandlung
Zur Vorbeugung einer Mukositis empfiehlt die Patientenleitlinie zur Supportiven Therapie (2018) zahnärztliche Maßnahmen vor Beginn der Krebstherapie (Glättung scharfer Kanten, Flouridierung, Versorgung von Schleimhautdefekten) und während der Therapie eine sorgfältige Mundpflege (mit weichen Zahnbürsten und Zahnseide) sowie regelmäßige Mundspülungen (mit Wasser oder Kochsalzlösung). Gemeinsam mit dem Behandlungsteam soll die Mundhöhle während der Therapie regelmäßig begutachtet werden.
Wichtig ist die frühzeitige und ausreichende Behandlung von mukositisbedingten Schmerzen. Hier können verschiedene Schmerzmedikamente zur Anwendung kommen, die entweder lokal (z.B. schmerzlindernde Mundspülungen) oder systemisch (Tabletten oder als Infusion) wirken.
Je nach Therapie werden auch spezielle Empfehlungen ausgesprochen, beispielsweise das Kühlen der Mundschleimhaut mit Eiswürfeln bei gewissen Chemotherapien oder den Einsatz von Benzydamin-haltigen Mundspüllösungen bei der strahlentherapiebedingten Mukositis.
Patientinnen und Patienten sollten hierzu Rücksprache mit dem Behandlungsteam halten, welche speziellen Maßnahmen (z.B. Schmerzmittel, Mundspüllösungen) für Sie in Frage kommen. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Patientenleitlinie zur Supportiven Therapie (2018).
Es ist wichtig, dass Patientinnen und Patienten regelmäßig die Mundhöhle im Spiegel betrachten und Veränderungen sowie Schmerzen oder Schluckstörungen dem Behandlungsteam mitteilen.
Therapieverfahren der integrativen Onkologie
Zur Vorbeugung und Behandlung einer Schleimhautentzündung des Mund- und Rachenraumes können Verfahren aus der integrativen Onkologie, z.B. pflanzliche Heilmittel ergänzend eingesetzt werden. Zu einigen gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, zu anderen fundierte fachliche Behandlungserfahrung.
In klinischen Studien untersuchte Verfahren
Aloe Vera kann, wenn sie vorbeugend als Gel oder Mundspüllösung angewandt wird, helfen, die Beschwerden einer strahlentherapiebedingten Mundschleimhautentzündung zu mindern. Hierzu gibt es einen Anhaltspunkt aus einer klinischen Studie. Ob das Ergebnis auch auf die chemotherapiebedingte Mundschleimhautentzündung übertragen werden kann, ist unklar. Aufgrund der wenigen vorhandenen Studien gibt die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Aloe Vera bei einer Mundschleimhautentzündung.
Aloe Vera ist eine Heilpflanze, die zur Behandlung von Entzündungen der Haut und Schleimhäute seit Jahrtausenden eingesetzt wird. Ihr werden u.a. antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Zur Vorbeugung einer Entzündung wird die Mundhöhle mehrmals täglich mit einem Gel oder einer Lösung mit Aloe Vera behandelt. Präparate aus Aloe Vera werden in verschiedenen Formen angeboten. Die Kosten sind gering.
Als leichte unerwünschte Wirkungen können vorübergehend Bauchschmerzen, Durchfall und eine Irritation der Darmschleimhaut auftreten, wenn Aloe Vera peroral eingenommen wird. Bei einer Anwendung auf der Haut können vorübergehend leichte allergische Reaktionen und eine verzögerte Wundheilung tiefer Wunden auftreten. Schwangere, Patientinnen und Patienten mit Magen-Darm-Entzündungen oder einem Darmverschluss dürfen kein Aloe Vera anwenden. Zudem können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auftreten.
Präparate aus Aloe Vera können rezeptfrei in Apotheken, Drogerien oder Reformhäusern gekauft werden. Vor Beginn der Anwendung sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Chinesische Arzneimitteltherapie kann helfen, einer strahlen- oder chemotherapiebedingten Mundschleimhautentzündung (orale Mukositis) vorzubeugen und die Beschwerden einer bestehenden Entzündung zu mindern. Hierfür gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Aber das Verfahren hat aufgrund der hohen Anforderungen, Kosten und Aufwandes sowie unklaren Risiken bei der Einnahme der chinesischen Kräuter keinen Stellenwert in der Vorbeugung oder Behandlung einer Mundschleimhautentzündung. Die Leitlinie zur Supportiven Therapie (2016) gibt keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz chinesischer Arzneimitteltherapie bei Mundschleimhautentzündung. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt dieses Verfahren nicht in diesem Zusammenhang.
Die Chinesische Medizin, auch Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) genannt, ist ein ca. 3000 Jahre altes Medizinsystem mit verschiedenen Richtungen und Schulen. Einen zentralen Stellenwert nimmt die chinesische Arzneimitteltherapie ein, bei welcher pflanzliche Arzneidrogen verwendet werden. Selten kommen auch mineralische oder tierische Substanzen zum Einsatz. Meist
wird für jeden Patienten eine eigene spezielle Rezeptur aus verschiedenen Arzneimitteln hergestellt, die nicht nur die Erkrankung selbst, sondern auch den aktuellen körperlichen und seelischen Zustand des Betroffenen berücksichtigt.
Es gibt erste Anhaltspunkte aus klinischen Studien, dass Gelée Royal helfen könnte, einer strahlentherapiebedingten Mundschleimhautentzündung vorzubeugen und die Beschwerden einer bereits bestehenden Mundschleimhautentzündung bei Chemo- und Strahlentherapie zu mindern. Da die Aussagekraft dieser Studienergebnisse aber noch sehr eingeschränkt ist, hat Gelée Royal noch keinen Stellenwert in der Vorbeugung und Behandlung einer therapiebedingten Mundschleimhautentzündung. Die Leitlinien zur Komplementärmedizin (2021) und zur Supportiven Therapie (2020) erwähnen Gelée Royal nicht.
Gelée Royal wird in den Speicheldrüsen von Arbeiterbienen gebildet und dient vornehmlich der Ernährung der Bienenköniginnen. Die Substanz wird in der traditionellen fernöstlichen Medizin angewandt. Ihr werden zahlreiche Eigenschaften, unter anderem antibakterielle und entzündungshemmende, zugeschrieben.
Gelée Royal wird verarbeitet und unverarbeitet in Nahrungsergänzungsmitteln, Lebensmitteln und Kosmetika angeboten. Es gibt verschiedene Qualitätsstufen für Gelee Royale und der größte Teil der Produktion kommt aus China. Die Kosten sind
mäßig. Gelée Royal kann allergische Reaktionen hervorrufen.
Patienten und Patientinnen können Gelée Royal in Reformhäusern, Drogerien oder Lebensmittelmärkten kaufen. Vor Beginn der Einnahme zur Vorbeugung oder Behandlung einer therapiebedingten Mundschleimhautentzündung sollte immer Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden. Insbesondere bei Brustkrebserkrankungen sollte die Einnahme besprochen werden, da Gelee Royale eine schwach östrogenartige Wirkung haben könnte.
Es gibt einen Anhaltspunkt für die Wirksamkeit eines Hydrolats aus Salbei, Pfefferminz und Thymian zur Vorbeugung einer Mundschleimhautentzündung. Allerdings war die Stärke des Effekts in der Untersuchung gering. Deshalb ist der Stellenwert des Verfahrens in der Vorbeugung einer Mukositis unklar. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt das Verfahren nicht.
Als Hydrolat wird ein destilliertes Wasser bezeichnet, das die flüchtigen Inhaltsstoffe aus destillierten Pflanzenmaterial enthält. Aus Heilpflanzen hergestellte Hydrolate können als Mund- und Rachenspüllösungen eingesetzt werden. Sie sind online erhältlich und die Kosten sind relativ gering.
Ein Hydrolat kann selbst angewandt werden. Vor Beginn der Anwendung sollte mit dem Behandlungsteam Rücksprache gehalten werden.
Die Kältetherapie kann helfen, einer durch Chemo- oder Strahlentherapie hervorgerufenen Mundschleimhautentzündung (orale Mukositis) vorzubeugen. Hierfür gibt es Hinweise aus klinischen Studien für Chemotherapie (mit 5-Fluoruracil), sowie für Hochdosischemotherapie (mit Melphalan) vor einer Stammzelltransplantation. Auch für die strahlentherapiebedingte orale Mukositis gibt es einen Anhaltspunkt für die Wirksamkeit des Verfahrens aus Studien. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt die Kältetherapie nicht.
Nach der Leitlinie zur Supportiven Therapie (2020) soll Kältetherapie bei Chemotherapie mit Fluoruracil vorbeugend eingesetzt werden und kann bei Hochdosischemotherapie mit Melphalan eingesetzt werden. Zu anderen Krebsbehandlungen gibt sie aufgrund der geringen Anzahl an Studien keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Kältetherapie zur Vorbeugung einer Mukositis.
Mundschleimhautentzündungen treten häufig als Nebenwirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie auf. Mit einer Kältetherapie im Bereich der Mundhöhle können die Gefäße verengt und damit die Durchblutung der Mundschleimhaut vermindert werden. Infolgedessen tritt die schädigende Wirkung der Medikamente einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie nur in geringerem Ausmaß auf.
Bei einer Kältetherapie lutscht man während der Gabe der Chemotherapie etwa 30 Minuten lang Eiswürfel. Dabei eignen sich als Grundlage Wasser oder andere Flüssigkeiten wie Salbeitee, Kamillentee oder pürierte Ananas. Das Verfahren gilt als sicher und hat keine nennenswerten Kosten.
Vor Beginn der Anwendung sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Es gibt einen Anhaltspunkt aus einer klinischen Studie, dass eine Mundspüllösung, die 1% Prozent Extrakte aus Kamille enthält, helfen kann, die Ausprägung einer Mundschleimhautentzündung durch eine hochdosierte Chemotherapie vor einer Stammzelltransplantation zu vermindern. Eis-Chips aus Kamillentee können helfen, die Schmerzen einer Chemotherapie-bedingten Mundschleimhautentzündung zu lindern. Die Leitlinie zur Supportiven Therapie (2020) spricht keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Kamille zur Vorbeugung einer Mundschleimhautentzündung aus, da die Aussagekraft der Studien zu gering sei.
Kamillenblüten enthalten Stoffe, denen entzündungshemmende, antibakterielle, krampflösende, beruhigende und angstlösende Wirkungen im menschlichen Organismus zugeschrieben werden. Zubereitungen aus Kamillenblüten werden u.a. bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten angewandt.
Präparate aus Kamille sind (bei richtiger Anwendung) gut verträglich und die Kosten sind sehr gering. Als unerwünschte Wirkungen können allergische Reaktionen im Bereich der Augen, Nase und der Atemwege auftreten.
Zubereitungen aus Kamille sind in Apotheken und Reformhäusern in Form von Mundspülungen, Säften, Dragees, Tees oder auch Cremes erhältlich. Um eine ausreichende Dosis der Droge zu gewährleisten, sollten Tees in der Apotheke gekauft werden.
Weitere Informationen zu Teezubereitungen finden Sie unter „Teezubereitungen“. Vor Beginn der Anwendung von Kamille Präparaten zur Vorbeugung oder Behandlung einer therapiebedingten Mundschleimhautentzündung sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Es gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass Kanuka-Manuka-Öl helfen kann, einer Strahlentherapie-bedingten Mundschleimhautentzündung vorzubeugen. Allerdings gibt es dazu nur sehr wenige Forschungsergebnisse. Daher spricht die Leitlinie zur Supportiven Therapie (2020) keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz der Substanz aus.
Kanuka und Manuka zählen zu den Myrtengewächsen und sind in Neuseeland heimisch. Aus ihnen werden ätherische Öle hergestellt. In der traditionellen Medizin der Maori werden die Heilpflanzen zur Behandlung von Infektionserkrankungen und bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.
Für die Inhaltsstoffe von Kanuka und Manuka wurden Wirkungen gegen Bakterien, Viren und Pilze nachgewiesen. Es werden auch entzündungshemmende, schmerzlindernde und krampflösende Wirkungen angenommen. Es sind keine unerwünschten Wirkungen beschrieben und die Kosten sind gering bis mäßig. Eine Selbstanwendung ist möglich.
Patientinnen und Patienten können Kanuka-Manuka-Öle in Apotheken, Reformhäusern oder Drogerien rezeptfrei erhalten. Vor Beginn der Anwendung sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Melatonin kann, wenn es als Mundspüllösung angewandt oder als Infusion gegeben wird, helfen, einer strahlentherapiebedingten Mundschleimhautentzündung vorzubeugen. Hierzu gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Die Leitlinien zur Komplementärmedizin (2021) und zur Supportiven Therapie (2020) erwähnen Melatonin in diesem Zusammenhang allerdings nicht.
Melatonin ist ein körpereigener Botenstoff, welcher in der Zirbeldrüse des Gehirns gebildet wird. Er wird u.a. zur Regulation des Schlafes und der Körpertemperatur benötigt und beeinflusst auch das Immunsystem. Melatonin wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten.
Die Kosten sind gering. Als unerwünschte Wirkungen können in sehr seltenen Fällen Kopfschmerzen, Schwindel, depressive Symptome und Bauchschmerzen auftreten. Patientinnen und Patienten mit epileptischen Anfällen und erhöhter Krampfneigung sollten kein Melatonin einnehmen.
Patientinnen und Patienten können Präparate mit Melatonin mit einer Dosierung ab 1mg als rezeptpflichtiges Arzneimittel in der Apotheke erwerben. In geringeren Dosierungen sind Präparate mit Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel in Drogerien, Apotheken oder online erhältlich. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Weiterführende Informationen finden Sie hier: Melatonin
Photobiomodulation (LLLT = low level laser therapy) kann helfen, einer durch Strahlentherapie oder einer Kombination von Chemo- und Strahlentherapie verursachten Mundschleimhautentzündung vorzubeugen. Hierzu gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Photobiomodulation nicht. Die Leitlinie zur Supportiven Therapie (2020) gibt keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz des Verfahrens zur Vorbeugung oder Behandlung der Mundschleimhautentzündung, da es zu wenige Studien gibt.
Bei der Photobiomodulation wird Laserlicht im Bereich einer Wellenlänge von 600-1000 nm angewandt. Es soll entzündungshemmende Wirkungen haben und die Zellfunktion und den Stoffwechsel verbessern. Allerdings ist die Anschaffung des Gerätes mit einer entsprechenden Software sehr teuer. Daher wird es scheinbar in Deutschland derzeit nicht angeboten und die Zugangsmöglichkeit zu diesem Verfahren ist unklar.
Patientinnen und Patienten können dennoch beim Behandlungsteam Informationen erfragen.
Weitere Informationen zu diesem Verfahren finden Sie hier: Photobiomodulation
Präparate aus der Ringelblume können helfen, einer strahlentherapiebedingten Mundschleimhautentzündung vorzubeugen. Das hat eine Studie ergeben, in der die Mundhöhle täglich mit einem Gel (2%ig) eines Calendula Extrakts behandelt wurde. Ob diese vorbeugende Wirkung auch bei Mundschleimhautentzündungen auftritt, die durch Chemotherapien bedingt sind, oder sich auch für die Behandlung einer bereits bestehenden Mukositis nutzen lässt, ist bisher nicht in Studien untersucht worden. Die Leitlinien zur Komplementärmedizin (2021) und zur Supportiven Therapie (2020) erwähnen den Einsatz von Präparaten aus Calendula nicht.
Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist in Mitteleuropa heimisch und wird als Arzneipflanze zur Behandlung von Hautwunden und Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt. Ihren Inhaltsstoffen werden entzündungshemmende, wundheilungsfördernde und antibakterielle Wirkungen im menschlichen Organismus zugeschrieben.
Präparate mit Calendula werden in Deutschland in unterschiedlicher Form angeboten (z.B. Salben, Tinkturen). Präparate aus Calendula haben bei richtiger Anwendung kaum unerwünschte Wirkungen. Bei einer Allergie gegen Korbblütler dürfen sie allerdings nicht angewandt werden. Die Kosten sind gering.
Präparate mit Calendula können rezeptfrei in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern gekauft werden. Spezielle Präparate wie Gel mit Calendula Extrakt sind als Rezepturarzneimittel in der Apotheke erhältlich. Vor Beginn der Anwendung zur Vorbeugung oder Behandlung einer therapiebedingten Mundschleimhautentzündung sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Die Rosenwurzart „Rhodiola algida“ kann, vorbeugend eingesetzt, helfen, die Beschwerden einer Mundschleimhautentzündung zu mindern. Hierzu gibt es einen Anhaltspunkt aus einer klinischen Studie bei Brustkrebspatientinnen. In Deutschland sind Präparate mit Rhodiola algida nicht erhältlich. Daher hat Rhodiola algida aktuell keinen Stellenwert zur Vorbeugung oder Behandlung einer Mundschleimhautentzündung. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Rhodiola algida nicht.
Rhodiola algida kommt ausschließlich in Tibet vor. Die Heilpflanze wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eingesetzt. Ihr werden positive Wirkungen auf das Immunsystem zugeschrieben. Salidroside, einer der Hauptinhaltsstoffe, wird eine das Immunsystem stärkende Wirkung zugesprochen.
Salbei kann, wenn er zusätzlich zur Basis-Mundpflege angewandt wird, helfen, einer chemotherapiebedingten Mundschleimhautentzündung (orale Mukositis) vorzubeugen. Hierzu gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Für andere Therapiesituationen wie Strahlentherapiebedingte Mukositis oder nach Hochdosischemotherapie gibt es keine Studienergebnisse. Trotz der geringen Anzahl vorhandener Studien hat Salbei wegen seiner guten Verträglichkeit und fehlenden Arzneimittelrisiken einen hohen Stellenwert in der supportiven Therapie bei Krebserkrankungen. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Salbei nicht.
Salbei ist eine traditionelle Heilpflanze. Ihre Blätter werden zur Herstellung von Tees verwendet. Es gibt sie aber auch in Form von Tabletten, Pastillen, Lutschbonbons und Sprays zu kaufen. Den Wirkstoffen von Salbei werden entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben. Die Heilpflanze wird zur Behandlung von Beschwerden im Oberbauch, gegen starkes Schwitzen und bei Entzündungen von Mund, Hals und Haut eingesetzt. Salbei ist gut verträglich.
Patientinnen und Patienten können Präparate aus Salbei rezeptfrei und in hoher Qualität in Apotheken erhalten. Die Kosten sind gering. Aus Salbeiblättern kann Tee zubereitet werden. Allgemeine Informationen zu Teezubereitungen finden Sie unter „Teezubereitungen“. Bei einer bekannten Allergie darf Salbei nicht angewandt werden.
Weiterführende Informationen finden Sie hier: Salbei
Wässrige und alkoholische Destillate aus Schafgarbe können, wenn sie zusätzlich zur Standardtherapie angewandt werden, helfen, die Beschwerden einer Mundschleimhautentzündung zu mindern. Da es zurzeit keine Fertigarzneimittel in der Form, wie sie in den Studien eingesetzt wurden, in Deutschland gibt, müssten sie als Rezepturarzneimittel von Apotheken individuell hergestellt werden. Die Leitlinien zur Komplementärmedizin (2021) und Supportiven Therapie (2020) erwähnen Schafgarbe nicht. Zur Wirksamkeit von Schafgarbe zur Vorbeugung einer Mundschleimhautentzündung gibt es bisher keine Untersuchungen.
Schafgarbe ist eine Arzneipflanze. Ihren Inhaltsstoffen werden unter anderem wundheilungsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Präparate aus Schafgarbe gibt es in verschiedenen Zubereitungen in Apotheken zu kaufen. Die Kosten sind gering. Bei einer Allergie gegen Korbblütler darf Schafgarbe nicht angewandt werden.
Vor Beginn der Einnahme von Präparaten mit Schafgarbe gegen therapiebedingte Mund-/Rachenschleimhautentzündungen sollte immer Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Selen kann vorbeugend eingenommen helfen, die Beschwerden einer Mundschleimhautentzündung (orale Mukositis) zu mindern. Hierfür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien bei Hochdosistherapien bei Stammzelltransplantationen. Für Radio-Chemotherapien gibt es hingegen einen Anhaltspunkt für fehlende Wirksamkeit. Laut Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) kann Natriumselenit bei bestehendem Selenmangel unter einer Tumortherapie bei Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs gegen Schleimhautentzündungen des Darmes (Durchfälle) eingesetzt werden, sowie bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren bei Mundschleimhautentzündungen.
Das Spurenelement Selen ist in verschiedenen Nahrungsmitteln enthalten u.a. in Getreide, Hülsenfrüchte, Fleisch und Fisch. Ihm werden entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen zugeschrieben. Ein Mangel wird mit verschiedenen Gesundheitsstörungen in Verbindung gebracht. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten, Kapseln und Lösungen angeboten und in Dosierungen von 50-200 µg pro Tag eingenommen.
Die empfohlene Tagesdosis für einen Erwachsenen (RDA) liegt bei 55 µg. Zur Behandlung eines Selenmangels werden rezeptpflichtige Arzneimittel mit Selen eingesetzt. Wenn Selen über lange Zeit in zu hohen Dosen eingenommen wird, können unerwünschte Wirkungen wie Magenbeschwerden, Haar- und Nagelveränderungen und knoblauchartiger Atem auftreten. Zudem gibt es Anhaltspunkte, dass eine langfristige Zufuhr von Selen bei Menschen, die keinen Selen-Mangel haben, das Risiko einer Typ-2 Diabetes mellitus Erkrankung erhöhen kann.
Patientinnen und Patienten können Selen als Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei erhalten. Für Arzneimittel zur Behandlung von Selenmangel ist für Präparate mit mehr als 50 µg in Deutschland ein Rezept erforderlich. Vor Beginn der Einnahme ist es wichtig, mit dem Behandlungsteam zu sprechen.
Weiterführende Informationen finden Sie hier: Selen
Spezielle Formen von Vitamin A, die All-trans-Retinsäure (ATRA oder Tretinoin) können helfen, einer durch Bestrahlung und Chemotherapie verursachten Mundschleimhautententzündung bei einer Stammzell-Transplantation vorzubeugen. Hierfür gibt es einen Anhaltspunkt aus klinischen Studien. Ob sich positive Effekte auch bei anderen Therapien zeigen, kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) Tretinoin in diesem Zusammenhang nicht und die Leitlinie zur Supportiven Therapie (2020) gibt keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Tretinoin zur Vorbeugung einer Mukositis durch Strahlen- oder Hochdosischemotherapie.
Vitamine sind Stoffe, die der menschliche Organismus nicht selbst herstellen kann. Die A Vitamine sind wichtig für die Zellbildung, das Immunsystem und die Sehkraft. Eine übliche Tagesmenge liegt bei 0,8 mg für Frauen und 1,0 mg für Männer. Präparate mit Vitamin A werden als frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel und als rezeptpflichtige Medikamente (Tabletten und Cremes) angeboten.
ATRA wird als spezielle Form des Vitamin A künstlich hergestellt und als Arzneimittel in der Behandlung der Leukämieform AML M3 sowie verschiedener Hauterkrankungen wie Akne angewendet. Wenn Vitamin A über längere Zeit in zu hoher Menge eingenommen wird, können unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerzen, Knochenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und erhöhte Temperaturen auftreten.
Patientinnen und Patienten können Präparate mit Vitamin A als Nahrungsergänzungsmittel in Drogerien und Apotheken sowie als rezeptpflichtiges Arzneimittel in Apotheken erwerben. ATRA ist ausschließlich rezeptpflichtig in Apotheken erhältlich. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Zinkpräparate können helfen, einer strahlen- oder chemotherapiebedingten Mundschleimhautentzündung vorzubeugen. Hierfür gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Ob sich diese vorbeugende Wirkung auch bei Mundschleimhautentzündungen durch Hochdosis-Chemotherapien vor Stammzelltransplantationen nutzen lässt, ist bisher nicht in Studien untersucht. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) hält die Gabe von Zinkpräparaten bei einer Strahlentherapie-verursachten oralen Mukositis für erwägenswert und unterscheidet nicht zwischen Vorbeugung und Behandlung.
Zink ist ein Spurenelement, das für die Funktion zahlreicher Enzyme wichtig ist, die eine Rolle bei der Wundheilung und im Immunsystem haben. In Nahrungsmitteln findet sich Zink vor allem in Fleisch, Eigelb und Nüssen. Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei etwa 7-10mg pro Tag und ist bereits durch eine vielseitige Ernährung der Regel abgedeckt. Zum Ausgleich von Mangelzuständen werden Zinkpräparate in unterschiedlichen Darreichungsformen und Dosierungen angeboten. Die Kosten sind gering. Die Tagesdosis sollte den Bedarf nicht überschreiten und Zink sollte nur bei Mangelzuständen und nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden
Zinkpräparate können rezeptfrei in Apotheken oder Drogerien gekauft werden. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.
Verfahren aus der Behandlungspraxis
Derzeit sind keine Daten aus der Behandlungspraxis verfügbar.