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Kompetenznetz KOKON

Schlafstörungen (Insomnien)

# Einleitung

Menschen mit oder nach Krebserkrankungen haben etwa dreimal so häufig Schlafstörungen im Vergleich zur Normalbevölkerung. Die Amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin schlägt folgende Einteilung von Schlafstörungen vor (AASM 2005):

  • Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien)

  • Schlafbezogene Atemstörungen (z.B. OSAS)

  • Exzessive Schläfrigkeit (Hypersomnie)

  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (zirkadiane Schlafstörungen)

  • Störungen, die mit Schlaf, Schlaf Phasen oder partiellen Erregungen assoziiert sind (Parasomnien)

Nahezu alle diese Formen von Schlafstörungen führen dazu, dass die Betroffenen ihren Schlaf als nicht-erholsam empfinden. Vor Empfehlung einer Therapie sollte versucht werden, die Art der Schlafstörung zu diagnostizieren, ggf. mit Hilfe von Spezialisten, da sich die Behandlungen zum Teil stark unterscheiden. Die Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin hat in der S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ (2025) Empfehlungen zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen bei Schlafstörungen veröffentlicht.

# Wissen aus klinischen Studien

Die Auswertung der klinischen Studien zu den einzelnen Verfahren ergibt folgendes Bild: 

  • Anhaltspunkte für eine Wirksamkeit für Lichttherapie und für Melatonin

  • Hinweis für fehlende Wirksamkeit für Baldrian

  • Die Studienergebnisse waren widersprüchlich oder nicht aussagefähig für Progressive Muskelrelaxation (PMR).

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen (2025)

Die Leitlinie empfiehlt, die Diagnostik der Insomnie durch eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung sowie den Einsatz von Schlaftagebüchern und Fragebögen durchzuführen. In der Anamnese soll aktiv nach körperlichen (insbesondere schlafmedizinischen) Erkrankungen, psychischen Störungen und Substanzen gefragt werden, die den Schlaf stören können.

Aktigraphie kann zur Erfassung von Ruhe- und Aktivitätszeiten eingesetzt werden. Eine Polysomnographie soll bei begründetem Verdacht auf organische Schlafstörungen durchgeführt werden.

Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) soll bei allen Patientinnen und Patienten mit Insomnie als erste Behandlungsoption empfohlen werden, bevorzugt in Präsenz. Diese Empfehlung gilt unabhängig davon, ob eine komorbide körperliche oder psychische Erkrankung vorliegt.

Eine medikamentöse Therapie kann angeboten werden, wenn KVT-I nicht hinreichend wirksam war oder nicht durchführbar ist. Bei älteren Patientinnen und Patienten soll dabei große Zurückhaltung gelten.

  • Benzodiazepine und Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten sind in der Kurzzeitbehandlung (bis zu 4 Wochen) effektiv. Eine Langzeitbehandlung soll nicht empfohlen werden.

  • Die sedierenden Antidepressiva Doxepin und Trazodon sind in der Off-Label-Behandlung effektiv; eine Langzeitbehandlung sollte nicht empfohlen werden.

  • Die Behandlung der Insomnie ohne psychiatrische Komorbidität mit Antipsychotika soll nicht empfohlen werden.

  • Orexin-Rezeptor-Antagonisten sind effektiv; eine Langzeitbehandlung sollte insbesondere nicht über ein Jahr hinaus empfohlen werden.

  • Die Behandlung mit sedierenden Antihistaminika soll nicht empfohlen werden.

  • Melatonin ist bei Patientinnen und Patienten ab 55 Jahren effektiv; eine Langzeitbehandlung soll nicht empfohlen werden.

  • Eine Behandlung mit Phytopharmaka sollte nicht empfohlen werden.

  • Die Behandlung mit Bewegungstherapie, Lichttherapie und Künstlerischen Therapien kann erwogen werden.

  • Die Behandlung mit Aromatherapie, Akupunktur, Fußreflexzonenmassage und Homöopathie soll nicht empfohlen werden.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024)

Die Leitlinie enthält onkologiespezifische Empfehlungen zu Ein- und Durchschlafstörungen:

  • Tai Chi oder Qigong sollte zur Senkung von Ein- und Durchschlafstörungen bei onkologischen Patientinnen und Patienten während und nach Chemo- oder Radiotherapie empfohlen werden.

  • Akupunktur kann zur Reduktion von Ein- und Durchschlafstörungen erwogen werden, wenn eine gezielte Verhaltenstherapie aufgrund mangelnder Verfügbarkeit nicht angeboten werden kann oder von den Patientinnen und Patienten abgelehnt wird.

  • Mindfulness-based Stress Reduction (MBSR) kann zur Senkung von Fatigue und Ein- und Durchschlafstörungen nach onkologischer Therapie erwogen werden.

  • Yoga kann zur Senkung von Ein- und Durchschlafstörungen bei Brustkrebspatientinnen nach onkologischer Therapie erwogen werden.

  • Eine anthroposophische Komplexbehandlung (Psycho- und Schlafedukation, Eurythmie-Therapie und Maltherapie) kann zur Senkung von Fatigue und Ein- und Durchschlafstörungen bei Brustkrebspatientinnen nach onkologischer Therapie erwogen werden.

  • Für Meditation kann zur Verbesserung von Fatigue, Ein- und Durchschlafstörungen und/oder kognitiven Beeinträchtigungen keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung gegeben werden.

Erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin bei nicht heilbaren Krebserkrankungen (2020)

  • Bei Patientinnen und Patienten mit nicht heilbarer Krebserkrankung und nächtlichen Beschwerden soll die Schlafhygiene überprüft und optimiert werden.

  • Eine klare Tagesstrukturierung sollte unterstützt werden. Stimuluskontrolle kann zur Verbesserung der Schlafqualität angewendet werden.

  • Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie kann durchgeführt werden.

  • Entspannungstechniken wie autogenes Training und progressive Muskelrelaxation können eingesetzt werden. Eine hohe Lichtzufuhr tagsüber kann den Tag-Nacht-Rhythmus und das allgemeine Wohlbefinden verbessern.

  • Die medikamentöse Therapie soll ursachenspezifisch erfolgen.

  • Melatonin kann nach anderen Substanzklassen eingesetzt werden.