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Kompetenznetz KOKON

Hauttoxizität

# Einleitung

Hautreaktionen sind häufige Nebenwirkungen einer medikamentösen, radiologischen und/ oder operativen Tumortherapie.

Bei einer systemischen antitumoralen Therapie können insbesondere folgende Hautreaktionen bei Haut, Haaren und Nägeln auftreten:

  • Akneiformes Exanthem/ Rash

  • Alopezie/ Haarausfall

  • Nagelveränderungen

Auch im Rahmen einer Strahlentherapie zur Tumorbehandlung kann es zu einer Hautreaktion kommen. Die sogenannte akute Radiodermatitis tritt als Erythem mit Überwärmung, Juckreiz, Brennen und Schmerz auf. Im weiteren Verlauf können eine trockene Schuppung oder Blasen bis hin zu Ulzerationen in den Hautfalten auftreten. Normalerweise klingen Entzündungen der Haut folgenlos ab, dennoch können sichtbare Hautflecken zurückbleiben.

Nach einem operativen Eingriff kann es im Rahmen der Wundheilung und Narbenbildung zu Hautreaktionen kommen. Diese treten als Wundheilungsstörungen auf, z.B. als Wundruptur mit Nachblutung, als Wundinfektion mit möglicher Sepsis oder als Narbenbildungsstörung.

Viele onkologische Patient*innen empfinden Hautreaktionen als entstellend und stigmatisierend, sodass dadurch die Lebensqualität stark eingeschränkt wird.

# Wissen aus klinischen Studien

Stellungnahmen in der Wissensdatenbank:

Die Wissensdatenbank hat keine weiteren Leitlinien, Übersichtsarbeiten oder Studien zu diesem Thema ausgewertet.

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025)

Die Leitlinie behandelt verschiedene Formen therapieinduzierter Hauttoxizität, darunter akneiformes Exanthem unter EGFR-gerichteten Therapien, Xerosis cutis und Pruritus, Nagelveränderungen, Alopezie sowie Radiodermatitis.

Akneiformes Exanthem

Prophylaxe: Neben allgemeinen hautschützenden Maßnahmen (Vermeidung mechanischer und chemischer Reize, UV-Schutz) wird eine regelmäßige Basispflege empfohlen.

Während der Therapie mit EGFR-Inhibitor-Therapie sollte eine orale Prophylaxe mit Tetracyclinen (Minocyclin oder Doxycyclin) erfolgen, um den Schweregrad des akneiformen Exanthems zu verringern. Die erprobte prophylaktische Anwendungsdauer in den Studien war acht Wochen. • Doxycyclin 2 x 100 mg (ggf. Dosisreduktion auf 2 x 50 mg bei KG < 70 kg) (OFF-LABEL) oder • Minocyclin 2 x 50 mg (OFF-LABEL)

Ein topisches Glukokortikoid kann zur Prophylaxe des akneiformen Exanthems für bis zu 30 Tage erwogen werden.

Aufgrund negativer Studiendaten* sind folgende topische Substanzen nicht zur Prophylaxe des EGFRI-induzierten akneiformen Exanthems einzusetzen: Vitamin K-haltige Externa und Adapalen.

Eine topische Prophylaxe des EGFRI-induzierten akneiformen Exanthems mit Niacinamid-Creme kann erwogen werden.

Therapie: Die Basismaßnahmen sollen fortgeführt werden. Ab Grad 1 können antibiotikahaltige topische Präparate (z. B. Metronidazol oder Nadifloxacin) eingesetzt werden. Ab Grad 2 soll zusätzlich ein topisches Steroid der Klasse 2–3 verwendet werden. Bei Grad 3/4 sollen eine dermatologische Mitbetreuung, die Prüfung einer Dosisanpassung oder Therapiepause der onkologischen Therapie sowie ggf. systemische Glukokortikoide und Antibiotika erfolgen. Orales Isotretinoin kommt nur in ausgewählten Fällen infrage und darf nicht mit systemischen Tetrazyklinen kombiniert werden.

Alopezie

Zur Verhinderung einer höhergradigen Chemotherapie-induzierten Alopezie (CIA) kann bei taxanhaltigen Chemotherapien eine Kopfhautkühlung angeboten werden.

Eine etablierte medikamentöse Prophylaxe oder Therapie mit ausreichender Evidenz besteht nicht.

Aufgrund unzureichender Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien ist eine Empfehlung für oder gegen eine alimentäre Prophylaxe mit Hirse und Xiaoaiping (Wirkstoff in der traditonellen chinesichen Medizin) der Chemotherapie-induzierten Alopezie nicht möglich.

Eine Prophylaxe der Zytostatika induzierten Alopezie mit topischem Minoxidil und Topitriol sollte nicht erfolgen.

Nagelveränderungen

Zur Prophylaxe werden neben allgemeinen Schutzmaßnahmen empfohlen: Vermeiden von mechanischer Belastung wie Reibungen und Druck auf Nagel und Nagelplatte, Vermeidung von chemischen Noxen (z.B. acetonhaltige Nagellackentferner, Reinigungsmittel), Vermeidung von längerem Kontakt mit Wasser, z.B. durch Tragen von Handschuhen bei Reinigungstätigkeiten und Nagelpflege (gerade geschnittene, nicht zu kurze Nägel; tägliches Eincremen des periungualen Gewebes mit harnstoffhaltigen Externa

Während der Infusion mit Docetaxel kann eine Prophylaxe der Nagelveränderungen durch Kühlung (Kyrotherapie) erfolgen. Für andere Substanzen liegt hierfür keine Evidenz vor.

Zu oralem Biotin bei brüchigen Nägeln kann aufgrund der "fehlender Daten" nicht beurteilt/empfohlen werden.

Bei Paronychien unter EGFR-gerichteter Therapie sollen mikrobiologische Abstriche erfolgen und bei Infektionszeichen eine gezielte antimikrobielle Therapie geprüft werden.

Xerosis cutis / Pruritus

Zur Prophylaxe und Therapie werden hautschützende Maßnahmen, UV-Schutz sowie eine regelmäßige rückfettende und feuchtigkeitsspendende Pflege, insbesondere mit harnstoffhaltigen Cremes, empfohlen. Bei Juckreiz können orale Antihistaminika und bei entzündlicher Komponente topische Glukokortikoide eingesetzt werden.

Bei Patient*innen mit Pruritus CTCAE Grad 1 sollte die weitere Therapie enthalten: rückfettende Externa und orale Antihistaminika. Ab CTCAE Grad 2 sollten topische Glukokortikoid, Klasse 2 (z.B. Prednicarbat Creme) erwogen werden. Ab CTCAE Grad3 können weitere Therapieoptionen (Aprepitant, Omalizumab) erfolgen.

Radiodermatitis

Prophylaxe Neben allgemeinen Hautschutzmaßnahmen (Vermeidung mechanischer und chemischer Reize, UV-Schutz, schonende Reinigung) wird eine regelmäßige Pflege mit reizarmen Produkten empfohlen.

Silbersulfadiazin-Creme 1 % sollte nicht zur Prophylaxe der Radiodermatitis angewendet werden.

Calendula-Creme kann zur Prophylaxe der Radiodermatitis eingesetzt werden. Die mögliche Auslösung einer Kontaktallergie ist zu berücksichtigen.

Topische Glukokortikoide sollten in Risikosituationen zur Prophylaxe der Radiodermatitis Grad 2/3 und der assoziierten Symptomatik eingesetzt werden. Zu den Risikofaktoren der Radiodermatitis gehören eine Hautdosis ≥ 50 Gy, Hautfalten, Adipositas, Rauchen.

Die Photobiomodulationstherapie (Low-Level-Laser-Therapie) kann zur Prophylaxe der Radiodermatitis angewendet werden.

Puder sollte wegen austrocknender und verklebender Eigenschaften nicht zur Prophylaxe der Radiodermatitis angewandt werden.

Hyaluronsäure-Creme sollte nicht zur Prophylaxe der Radiodermatitis eingesetzt werden.

Die topische Anwendung von Trolamin (Biafine Emulsion®) oder Aloe vera oder Sucralfat sowie die orale Gabe von Acetylsalicylsäure oder Sucralfat sollen nicht zur Prophylaxe der Radiodermatitis erfolgen.

Therapie Symptomatisch werden kühlende Maßnahmen (z. B. feuchte Umschläge) sowie bei Bedarf steroidhaltige Cremes empfohlen. Bei feuchter Desquamation oder Infektionszeichen ist eine dermatologische oder wundtherapeutische Mitbetreuung erforderlich.

Hyaluronsäurehaltige Creme soll nicht zur Therapie des Erythems der Radiodermatitis eingesetzt werden.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024)

Zur Prophylaxe der Radiodermatitis gibt die Leitlinie für topisches Aloe Vera eine "soll nicht" Empfehlung.