Obstipation ist ein häufiges Phänomen bei onkologischen Patient*innen. Kriterien sind klumpiger und harter Stuhl oder weniger als dreimal Stuhlgang/ Woche. Hinzu kommen Symptome wie starkes Pressen während der Defäkation, das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung oder der Blockade am Darmausgang sowie Blähungen, Völlegefühl und Schmerzen. Ursachen sind Nebenwirkungen von Medikamenten, insbesondere von antitumoralen Medikamenten und Opiaten, aber auch von Diuretika, Antiemetika, trizyklischen Antidepressiva, Neuroleptika, Eisenpräparaten u.a.. Weitere Ursachen sind Bewegungsmangel, Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und des Tagesablaufs, Flüssigkeitsmangel (z.B. durch Erbrechen, Übelkeit oder vermindertes Durstgefühl), Bauchoperationen, Verwachsungen, Darmtumoren, Entzündungen im (End-)Darmbereich und Nervenschäden können organische Ursachen sein, Depression, Verwirrtheit und Stress psychische Ursachen, Hyperkalzämie, Hypokaliämie und Urämie können metabolische Ursachen sein.
Obstipation
# Einleitung
# Wissen aus klinischen Studien
Stellungnahmen in der Wissensdatenbank:
Die Wissensdatenbank hat keine weiteren Leitlinien, Übersichtsarbeiten oder Studien zu diesem Thema ausgewertet.
# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien
S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie (2022)
Notwendigkeit, vor der Therapie die Ursache der (chronischen) Obstipation zu klären.
Die Therapie sollte nach einem Stufenschema erfolgen:
Dieses beginnt mit sogenannten Basismaßnahmen, wie ausreichender Flüssigkeitsaufnahme, ballaststoffreicher Kost und körperlicher Aktivität und als zweiter Stufe mit einer zusätzlichen Ballaststoffgabe in Form von Flohsamenschalen oder Weizenkleie.
Wenn hierdurch keine ausreichende Wirkung erzielt wurde oder die Basismaßnahmen schlecht verträglich waren und keine Stuhlentleerungsstörungen vorliegen, sollten zunächst Macrogol, Natriumpicosulfat und Bisacodyl als Arzneimittel der ersten Wahl angewendet werden.
Falls auch dies nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird, sollten Anthrachinone erwogen werden. Bei weiterhin unzureichender Wirksamkeit oder schlechter Verträglichkeit soll Prucaloprid gegeben werden.
Bei opioidbedingter Obstipation sollen, wenn Laxantien nicht ausreichend wirken, peripher wirksame Opioidantagonisten (PAMORA) eingesetzt werden.
Ergänzend können Suppositorien/Klysmen sowie Kombinationstherapien eingesetzt werden.
Erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin bei nicht heilbaren Krebserkrankungen (2020)
Therapie
Gestuftes medikamentöses und nicht-medikamentöses Vorgehen in der palliativmedizinischen Versorgung
In der ersten Stufe sollte ein osmotisches Laxans (z. B. Macrogol) oder ein propulsives Laxans (z. B. Natriumpicosulfat oder Bisacodyl) eingesetzt werden.
In der zweiten Stufe sollte deren Kombination eingesetzt werden.
Bleibt dies unzureichend, soll in der dritten Stufe zusätzlich die Gabe peripher wirksamer Opioidantagonisten (PAMORA, z. B. Methylnaltrexon, Naldemedin, Naloxegol) oder die Kombination Oxycodon/Naloxon (Off-Label) in Betracht gezogen werden.
Reicht auch das nicht aus, kann in Stufe 4 als Therapieversuch zusätzlich auf Rizinusöl, Erythromycin, Amidotrizoesäure, Neostigmin, Prucaloprid oder Linaclotid (alle Off-Label) sowie auf ein Suppositorium zurückgegriffen werden. Bei schwerer Stuhlimpaktierung kann osmotisch wirksames Macrogol über ein Darmrohr gegeben werden; als Ultima Ratio kommt die manuelle Ausräumung infrage.
Begleitend werden durchgehend allgemeine unterstützende Maßnahmen wie Verhaltensberatung, Bewegungsübungen/Mobilisation und Kolonmassage empfohlen. Reicht Stufe 2 nicht aus, kommen zusätzlich Einläufe, Suppositorien oder Klysmen zum Einsatz; bleibt auch Stufe 3 erfolglos, kann als Ultima Ratio bei schwerer Stuhlimpaktierung die manuelle Ausräumung erfolgen.
In der Sterbephase ist die medikamentöse Behandlung der Obstipation in der Regel primär nicht indiziert.
Die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025) und die S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024) haben kein eigenes Kaptitel zu diesem Thema.