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Hand-Fuß-Syndrom

# Einleitung

Das Hand-Fuß-Syndrom (HFS), auch palmoplantare Erythrodysästhesie genannt, ist eine häufige Nebenwirkung bestimmter Chemotherapeutika (z. B. Capecitabin, 5-Fluorouracil, Doxorubicin) und zielgerichteter Therapien (z. B. Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Sorafenib). Es äußert sich durch schmerzhafte Rötungen, Schwellungen, Blasenbildung und Hautschuppung an Handflächen und Fußsohlen. Die Pathogenese umfasst toxische Schäden an der Haut durch hohe Konzentrationen der Wirkstoffe in den Kapillaren der Extremitäten.

Das Hand-Fuß-Syndrom (HFS) tritt in zwei Formen auf:

  • Typ I hat ein flächiges Erscheinungsbild. und ist es eine häufige Nebenwirkung bei bestimmten systemischen antitumoralen Therapien, insbesondere bei Anthrazyklinen (z.B. Doxorubicin), Taxanen (z.B. Docetaxel) und Pyrimidinanaloga (z.B. 5-FU, Capecitabin).

  • Typ II ist überwiegend an Druckpunkten der Hände und Füße lokalisiert und kann bei einer Therapie mit Multikinaseinhibitoren, z.B. Sorafenib auftreten. In der Regel besteht ein enger zeitlicher Zusammenhang zur antineoplastischen Therapie, gelegentlich kommt es aber auch zu einer Spätwirkung

Das Hand-Fuß-Syndrom wird in drei Grade eingeteilt:

  • Grad 1: Initial kommt es zu Missempfindungen (Wärmegefühl, Kribbeln, Taubheit) an den Handinnenflächen und Fußsohlen, begleitet von einer Rötung und einer leichten Schwellung, weshalb die Erkrankung auch „palmo-plantare Erythrodysästhesie“ genannt wird.

  • Grad 2: Es kommen brennende Schmerzen hinzu und die Symptome werden stärker, z.B. mit Blasenbildung. Gelegentlich sind auch die Finger und Nägel betroffen mit Entzündungen des Nagelbetts, was zum Verlust des Fingerabdrucks führen kann.

  • Grad 3: Es kommt zu ausgedehnten Schwellungen, Blasenbildungen, Blutungen und Hyperkeratosen mit Beeinträchtigung der selbständigen Versorgung

In der onkologischen Supportivtherapie wird HFS durch präventive Maßnahmen (z. B. Kühlung, Hautpflege) und symptomatische Behandlungen (z. B. Kortikosteroide, Schmerzmittel) gemanagt, um die Lebensqualität der Patient*innen zu erhalten und Therapieabbrüche zu vermeiden

# Wissen aus klinischen Studien

Stellungnahmen in der Wissensdatenbank:

Die Wissensdatenbank hat keine weiteren Leitlinien, Übersichtsarbeiten oder Studien zu diesem Thema ausgewertet.

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025)

Die Leitlinie unterscheidet zwei Formen des Hand-Fuß-Syndroms. Das klassische Hand-Fuß-Syndrom (Typ I) betrifft vor allem Handflächen und Fußsohlen und tritt insbesondere unter Capecitabin, 5-Fluorouracil, liposomalem Doxorubicin oder Taxanen auf. Das Hand-Fuß-Syndrom Typ II ist eher an Druck- und Belastungsstellen lokalisiert und wird vor allem unter zielgerichteten Therapien, insbesondere Multikinase-Inhibitoren, beobachtet. Die Beschwerden bilden sich nach Dosisanpassung, Therapieunterbrechung oder Absetzen der auslösenden Therapie in den meisten Fällen ohne bleibende Schäden zurück.

Prophylaxe

Zur Vorbeugung des Hand-Fuß-Syndroms sollen mechanische Belastungen der Hände und Füße, längerer Kontakt mit Wasser sowie Kontakt mit chemischen Noxen (z. B. Reinigungsmitteln) vermieden werden. Bestehende Hauterkrankungen sollen behandelt werden.

Zusätzlich sollte mehrfach täglich (mind. 2 x täglich) eine harnstoffhaltige Creme angewendet werden.

Zur Prophylaxe eines Hand-Fuß-Syndroms unter Docetaxel kann eine Kühlung der Hände während der Infusion erwogen werden.

Von der prophylaktischen Einnahme von Vitamin B6 sowie von der prophylaktischen Anwendung von Mapisal wird abgeraten.

Aufgrund unzureichender Daten gibt die Leitlinie keine Empfehlung für oder gegen topische Antiperspirantien oder Celecoxib zur Prophylaxe des Hand-Fuß-Syndroms.

Therapie

Bei Auftreten eines Hand-Fuß-Syndroms sollen die genannten Verhaltensmaßnahmen und die mehrmals tägliche Hautpflege mit harnstoffhaltigen Cremes fortgeführt werden.

Bei einem Hand-Fuß-Syndrom ab CTCAE Grad 3 soll substanzabhängig eine Verlängerung der Therapieintervalle oder eine Dosisreduktion der auslösenden Substanz gegen den Nutzen der Therapie abgewogen werden. Bei sehr ausgeprägtem HFS kann je nach Substanz auch eine Therapieunterbrechung erforderlich sein.

Zusätzlich sollte bei relevanten Beschwerden eine antientzündliche Therapie mit topischen Glukokortikoiden der Klasse 2–3 erfolgen.

Ein Hydrokolloidverband kann ergänzend, insbesondere bei plantaren Läsionen, angewendet werden.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024) Die Leitlinie gibt aufgrund unzureichender Daten keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung von Vitamin B6 zur Vorbeugung des Hand-Fuß-Syndroms bei onkologischen Patientinnen und Patienten.