Zum Hauptinhalt
Kompetenznetz KOKON

Dysgeusie (Geschmacksstörungen)

# Einleitung

Dysgeusie ist eine Störung des Geschmackssinns. Unterteilt wird die Dysgeusie in quantitative und qualitative Geschmacksstörungen. Quantitative Störungen entstehen durch eine Verminderung oder Verstärkung der gustatorischen Wahrnehmungen für süß, sauer, salzig, bitter und umami (Ageusie, Hypogeusie und Hypergeusie). Qualitative Störungen beruhen auf einer veränderten oder halluzinatorischen gustatorischen Wahrnehmung von süß, sauer, salzig, bitter und umami. Hauptursachen für Dysgeusien sind Schädel-Hirn-Traumen, Infektionen des oberen Respirationstraktes, Exposition gegenüber toxischen Substanzen, iatrogene Ursachen (z.B. Operationen oder Bestrahlung), Medikamente und das "Burning Mouth Syndrom"

Sie kann von wenigen Stunden oder mehreren Tagen bis hin zu Wochen oder einigen Monaten anhalten. Nach Abschluss der Behandlung verschwinden Dysgeusien zumeist wieder. Bei Bestrahlungen im Hals-/ Kopfbereich sind jedoch langanhaltende und teilweise auch bleibende Schäden möglich.

Mögliche Folgen einer Dysgeusie können sein:

  • Eine Dysgeusie kann Essgewohnheiten verändern, sodass Abneigungen gegenüber bestimmten Lebensmitteln oder Lebensmittelgruppen entstehen und dies psychisch belastend wirkt.

  • Abneigungen können zu Appetitverlust und einer einseitigen Ernährung führen, die das Risiko einer Mangelernährung bis hin zum Gewichtsverlusterhöhen. Insbesondere Fleisch und Fisch wird von vielen Betroffenen abgelehnt, oder seltener verzehrt, was die Deckung des Eiweißbedarfs erschweren kann.

  • Durch die Dysgeusie kann es zu einer Einschränkung der sozialen Teilhabe (z.B. Restaurantbesuche mit Freunden) mit einer insgesamt schlechteren Lebensqualität kommen.

  • Außerdem kann eine Dysgeusie auch zu einer verminderten Compliance beitragen.

# Wissen aus klinischen Studien

Die Auswertung der klinischen Studien zu den einzelnen Verfahren ergibt folgendes Bild:

  • Einen Hinweis für die Wirksamkeit für Dronabinol (Tetrahydrocannabinol, siehe Cannabinoide) bei Menschen mit fortgeschrittenen oder metastasierten malignen Erkrankungen zur Verbesserung des Geruchs- und Geschmackserlebens (sowie des Appetits).

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025). Die Leitlinie enthält keine spezifischen Empfehlungen zu Geschmacksstörungen.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024). Die Leitlinie gibt keine spezifischen Empfehlungen zu komplementärmedizinischen Verfahren bei Geschmacksstörungen.

S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie (Version 1.0, 2026). Die Leitlinie gibt keine spezifischen Empfehlungen zu komplementärmedizinischen Verfahren bei Geschmacksstörungen. Bei therapiebedingten Geschmacksveränderungen steht die individuelle ernährungstherapeutische Betreuung und die Anpassung der Kost im Vordergrund.

S2k-Leitlinie Riech- und Schmeckstörungen (2023)

  • „Der wichtige Schlüssel zur Therapie ist die möglichst exakte Diagnosestellung" (peripher-nervös, zentral-nervös, medikamentös-toxisch/radiotherapeutisch/chemotherapeutisch, systemisch/metabolisch/im Rahmen von Mangelerkrankungen, postinfektiös oder idiopathisch/altersbedingt/im Rahmen eines Burning-Mouth-Syndroms), da sich daraus unterschiedliche therapeutische Konsequenzen ergeben können.

  • Weiterhin schreibt sie: „Das Schmecksystem hat eine außergewöhnlich hohe Tendenz zur Spontanerholung. Die Erholung tritt allerdings nur selten innerhalb weniger Wochen ein, sie benötigt in der Regel Monate oder sogar Jahre.“

  • „Kann"-Empfehlung von oraler Zinksupplementation bei idiopathischen Schmeckstörungen oder im Rahmen eines Zinkmangels.

  • Selen Einnahme und Akupunktur möglicherweise hilfreiche Maßnahmen, jedoch keine Empfehlungen.