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Kompetenznetz KOKON

Diarrhoe

# Einleitung

Diarrhoe kann spezifisch, eigenständig, aber auch als Symptom bei anderen Erkrankungen auftreten. Häufig tritt die Diarrhoe jedoch als Nebenwirkung einer systemischen Tumor- und/ oder Strahlentherapien des Abdomens/ Beckens bei onkologischen Patient*innen auf, wobei durch die Schädigung der Darmschleimhautzellen nur noch unzureichend Flüssigkeit aus dem Nahrungsbrei aufgenommen werden kann und vermehrt Flüssigkeit in den Darm abgegeben wird. Dabei unterscheidet man eine osmotische, sekretorische, infektiöse und toxische Genese, die jeweils eine andere Therapie erfordern. Diarrhoe kann bei unzureichender enteraler/ parenteraler Flüssigkeitssubstitution bis zur lebensbedrohlichen Situation führen. Auch motilitätsfördernde Begleitmedikamente wie MCP können Diarrhoen auslösen.

Von Diarrhoe wird gesprochen, wenn ein Erwachsener mehr als dreimal täglich vermehrten und/ oder wässrig-dünnen Stuhl hat. Begleitsymptome können dabei Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe sein. Aufgrund des Flüssigkeits- und Mineralstoffverlustes können zudem Schwindel und Kreislaufprobleme auftreten. Dies ist auch bei Patient*innen mit einem Ileostoma oder einem Kurzdarmsyndrom zu beachten, die oft physiologischerweise flüssigeren Stuhlgang haben. Warnsymptome einer komplizierten, therapieassoziierten Diarrhoe, die eine stationäre Therapie erfordert, sind das Auftreten von Krämpfen, Übelkeit/ Erbrechen, Fieber, Elektrolytentgleisungen oder Dehydratation. Dauerhafte Diarrhoe reizt außerdem die Haut im Analbereich.

# Wissen aus klinischen Studien

Stellungnahmen in der Wissensdatenbank:

Die Wissensdatenbank hat keine weiteren Leitlinien, Übersichtsarbeiten oder Studien zu diesem Thema ausgewertet.

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025)

  • Loperamid soll als erste Therapie bei unkomplizierter Diarrhoe (CTCAE Grad 1–2 ohne Risikokonstellation) gegeben werden.

  • Bei therapierefraktärer Diarrhoe können weitere Substanzen wie Tinctura opii, Budesonid oder Racecadotril zum Einsatz kommen.

  • Bei initial schweren, hospitalisierungsbedürftigen Diarrhoen (ab Grad 3) kann Loperamid in Kombination mit Octreotid (off-label) erwogen werden.

  • Vor 5-FU-haltiger Therapie soll eine Routinetestung auf die vier häufigsten genetischen DPYD-Varianten erfolgen.

  • Es gibt spezifische Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie des cholinergen Syndroms unter Irinotecan.

  • Die Einnahme von Probiotika in Form von Lactobacillus acidophilus oder Bifidobacterium bifidum sollte zur Prophylaxe der radiogenen Diarrhoe erfolgen (Empfehlungsgrad B).

  • Zur Prophylaxe der Tumortherapie-induzierten Diarrhoe kann anhand der heterogenen Datenlage keine spezifische Empfehlung formuliert werden, da "das Spektrum von Probiotika, Präbiotika und Synbiotika ... sehr breit ist."

  • Orale Aminosalicylate sollen nicht zur Prophylaxe der akuten Diarrhoe bei pelviner Strahlentherapie gegeben werden.

  • Empfehlung zur Ernährungsberatung sowie ballaststoffreicher Kost zur Prophylaxe der radiotherapieinduzierten Diarrhoe.

  • Eine Prophylaxe der radiogenen Diarrhoe mit Glutamin soll nicht erfolgen.

S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie (Version 1.0, 2026)

Die Leitlinie empfiehlt ein systematisches Screening auf Mangelernährung; bei auffälligem Screening soll ein ausführliches Ernährungsassessment erfolgen. Speziell zur Diarrhoe äußert sie sich nicht.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024)

  • Vitamin E: „Soll nicht“ zur Verbesserung chemotherapieinduzierter Toxizität (explizit inklusive Diarrhö) eingesetzt werden.

  • Natriumselenit: „Kann“ bei Selendefizit und Strahlentherapie bei Patientinnen mit Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs (mit positivem Effekt auf die Darmschleimhaut, insbesondere radiotherapieassoziierte Diarrhoe) erwogen werden.

  • Vitamin D: Keine ausreichenden Daten für eine Empfehlung bei onkologischen Patienten ohne Spiegelbestimmung zur Wirkung auf Mortalität, Morbidität/Toxizität (inklusive Diarrhoe) und Lebensqualität. Eine Vitamin-D-Gabe über die Kompensation eines nachgewiesenen Mangels hinaus ist daher mangels Evidenz weder zu empfehlen noch abzulehnen.