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Kompetenznetz KOKON

Appetitlosigkeit

# Einleitung

Inappetenz ist das fehlende oder eingeschränkte Bedürfnis zu essen, welches fast immer von einer reduzierten oralen Nahrungsaufnahme und oft von weiteren Symptomen, wie beispielsweise früh- zeitiger Sättigung, Geruchs- und Geschmacksveränderungen sowie Übelkeit und Erbrechen begleitet ist. In der Folge kann es zu weiteren Komplikationen, wie z.B. Müdigkeit, Schwäche, Fatigue, Muskelabbau, Gewichtsverlust und Mangelernährung kommen. Im Rahmen einer Tumorerkrankung sind etwa 50% der Patient*innen bereits bei Diagnosestellung von diesem Phänomen betroffen

Bei Inappetenz kann unterschieden werden zwischen krankheitsbedingten Ursachen (Tumorerkrankungen, Schmerzen, Mundschleimhautveränderungen, Magen-Darm- Erkrankungen, chronischen Infekte, Passageproblemen, etc.), therapiebedingten Ursachen (insbesondere antineoplastische Therapien, aber auch Antibiotika und Opioide, etc.) und psycho-sozialen Ursachen (z.B. Angst, Depression, soziale Faktoren)

# Wissen aus klinischen Studien

Zum Thema Inappetenz hat die Wissensdatenbank derzeit keine weiteren Leitlinien, Übersichtsarbeiten oder Studien ausgewertet.

Bei gleichzeitig bestehender Tumorkachexie verweisen wir auf die entsprechende separate Auswertung.

Bei Appetitlosigkeit ohne ausgeprägte Kachexie stehen in der Regel allgemeine ernährungstherapeutische Maßnahmen sowie die Behandlung möglicher Ursachen (z. B. Übelkeit, Schmerzen, Mundtrockenheit, Depression) im Vordergrund.

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie (Version 1.0, 2026)

Die Leitlinie empfiehlt ein systematisches Screening auf Mangelernährung bei onkologischen Patientinnen und Patienten.

Patientinnen und Patienten mit auffälligem Mangelernährungs-Screening sollen nach einem Ernährungsassessment eine individuelle ernährungstherapeutische Beratung durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte erhalten – u. a. durch Anreicherung der Speisen und/oder orale Trinknahrung (Empfehlungsgrad A).

Bei Patientinnen und Patienten mit weit fortgeschrittener Tumorerkrankung können Kortikosteroide kurzzeitig zur Appetitsteigerung im Einzelfall erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Wegen der immunsuppressiven Wirkung sollen sie insbesondere bei laufender Immuntherapie nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen eingesetzt werden.

Ebenfalls bei weit fortgeschrittener Erkrankung kann der Einsatz von Progestinen (Gestagenen) zur Steigerung von Appetit oder Gewicht im Einzelfall erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Dabei ist ein erhöhtes Thromboembolierisiko zu beachten. Eine Verordnung ist in Deutschland nur im Rahmen eines Off-Label-Einsatzes möglich.

Für den Dopaminantagonisten Olanzapin deutet sich laut Leitliniengruppe eine appetitsteigernde Wirkung an; eine systematische Bewertung ist für ein Leitlinien-Update vorgesehen.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024)

Zur Appetitlosigkeit selbst trifft die Leitlinie keine eigenständige Aussage.

Für die Gewichtszunahme bei onkologischen Patienten mit Tumorkachexie liegen widersprüchliche Daten zu L-Carnitin vor; es gibt keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz.

Für Cannabinoide (THC, THC:CBD) bei Anorexie/Kachexie zeigen Studien keine Überlegenheit gegenüber Placebo oder Megestrolacetat, sodass keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz ausgesprochen wird.