Hintergrund
Das autogene Training entstand in den 1930er-Jahren als Form der Selbsthypnose und geht auf den deutschen Psychiater und Neurologen Johannes Heinrich Schultz zurück.
Es handelt sich um eine Technik mentaler Übungen, die Entspannung und Autosuggestion verbindet. Ziel ist es, Menschen darin zu unterstützen, körperliche und psychische Stressreaktionen bewusst zu regulieren und Entspannung selbstständig herbeizuführen.
Autogenes Training wird meist in acht bis zehn wöchentlichen Sitzungen vermittelt. Einzelsitzungen dauern in der Regel etwa 60 Minuten, Kleingruppensitzungen bis zu zwei Stunden. Die Teilnehmenden werden angeleitet, die Übungen regelmäßig, häufig mehrmals täglich für etwa 10 Minuten, zu praktizieren, bis sie die Technik sicher anwenden können.
Wirksamkeit
Bei Patient*innen nach einer Krebsbehandlung wurde nach Teilnahme an autogenem Training über eine Verringerung von Angstzuständen, Schmerzen und depressiver Verstimmung sowie über verbesserte Schlafparameter, eine verbesserte Immunfunktion und eine bessere Lebensqualität berichtet.
Aufgrund der geringen Anzahl veröffentlichter Studien, der kleinen Studiengrößen und der methodischen Einschränkungen ist es jedoch nicht möglich, belastbare Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit von autogenem Training für diese Indikationen bei onkologischen Patient*innen zu ziehen.
Die hier präsentierten Informationen basieren auf der CAM-Cancer-Monografie zum autogenen Training. Dort finden sich eine ausführliche Darstellung und Bewertung der ausgewerteten Studien und Übersichtsarbeiten.
Aussagen in Leitlinien
Die Leitlinie der AWMF zur Komplementärmedizin (2024) und die Leitlinie zur Supportivtherapie bei onkologischen Patient*innen (2025) erwähnen autogenes Training nicht.
Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2023) führt autogenes Training unter den Entspannungsverfahren auf. Entspannungsverfahren sollen demnach bei Krebspatientinnen unabhängig vom Belastungsgrad zur Reduktion von Angst, Depressivität, psychischer Belastung, Fatigue und Übelkeit sowie zur Steigerung der Lebensqualität angeboten werden. Zur Reduktion von Schmerzen können Entspannungsverfahren angeboten werden.
Sicherheit
In den bisher durchgeführten klinischen Studien zu autogenem Training bei onkologischen Patient*innen wurden keine unerwünschten Wirkungen berichtet.
Literatur
Dieser Eintrag basiert auf einer übersetzten und für KOKON adaptierten Zusammenfassung der CAM-Cancer-Monografie zum autogenen Training. Die vollständige Darstellung der ausgewerteten Studien, die Evidenzbewertung und die Literaturangaben finden sich im entsprechenden Eintrag auf CAM-Cancer.