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Kompetenznetz KOKON

Gewichtsverlust/Kachexie

# Einleitung

Kachexie ist bedingt durch eine komplexe metabolische Veränderung, welche durch eine systemische Inflammation wie sie auch bei Tumorerkrankungen vorkommt und dadurch bedingter Anorexie auftritt. Die Kachexie tritt mit fortgeschrittener Krankheitssituation zunehmend häufiger auf. Durch die Aktivierung kataboler Stoffwechselwege mit Verlust an Muskelmasse kann auch trotz adäquater Kalorienzufuhr dieser Prozess nicht unterbrochen werden, was die Komplexität der Kachexie unterstreicht. Neben den funktionellen Veränderungen, der reduzierten Lebensqualität und vermehrter Chemotherapie Toxizität, ist die Kachexie mit einer verkürzten Überlebenszeit assoziiert.

# Wissen aus klinischen Studien

Die Auswertung der klinischen Studien zu den einzelnen Verfahren ergibt folgendes Bild:

  • einen Anhaltspunkt für die Wirksamkeit von Cannabinoide zur appetitsteigernden Wirkung ohne Beeinflussung des Körpergewichtes

  • einen Anhaltspunkt für die Wirksamkeit von L-Carnitin auf die Tumorkachexie mindern

  • einen Anhaltspunkt für die Wirksamkeit von maritinen Omega-3 Fettsäuren zur Stabilisierung des Körpergewichtes von Patienten mit nicht-klein-zelligem Lungenkarzinom und kolorektalem Karzinom, die eine Tumortherapie erhalten. Dies trifft nicht zu für Patienten, die aufgrund der bereits fortgeschrittenen Tumorerkrankung keine Tumortherapie mehr erhalten oder für Patienten mit HNO-Tumoren in der perioperativen Phase

  • Die Studienergebnisse waren widersprüchlich oder nicht aussagefähig Melatonin bei der Therapie der Tumorkachexie

# Aussagen in deutschsprachigen Leitlinien

S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie (Version 1.0, 2026)

Die Leitlinie empfiehlt ein systematisches Screening auf Mangelernährung bei onkologischen Patientinnen und Patienten.

Patientinnen und Patienten mit auffälligem Mangelernährungs-Screening sollen nach einem Ernährungsassessment eine individuelle ernährungstherapeutische Beratung durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte erhalten – u. a. durch Anreicherung der Speisen und/oder orale Trinknahrung (Empfehlungsgrad A).

Bei Patientinnen und Patienten mit weit fortgeschrittener Tumorerkrankung können Kortikosteroide kurzzeitig zur Appetitsteigerung im Einzelfall erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Wegen der immunsuppressiven Wirkung sollen sie insbesondere bei laufender Immuntherapie nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen eingesetzt werden.

Ebenfalls bei weit fortgeschrittener Erkrankung kann der Einsatz von Progestinen (Gestagenen) zur Steigerung von Appetit oder Gewicht im Einzelfall erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Dabei ist ein erhöhtes Thromboembolierisiko zu beachten. Eine Verordnung ist in Deutschland nur im Rahmen eines Off-Label-Einsatzes möglich.

Für den Dopaminantagonisten Olanzapin deutet sich laut Leitliniengruppe eine appetitsteigernde Wirkung an; eine systematische Bewertung ist für ein Leitlinien-Update vorgesehen.

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024)

Für die Gewichtszunahme bei onkologischen Patienten mit Tumorkachexie liegen widersprüchliche Daten zu L-Carnitin vor; es gibt keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz.

Für Cannabinoide (THC, THC:CBD) bei Anorexie/Kachexie zeigen Studien keine Überlegenheit gegenüber Placebo oder Megestrolacetat, sodass keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz ausgesprochen wird.

S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025).

Die Leitlinie enthält keine spezifischen Empfehlungen zur Kachexie.