Hintergrund
Honig wird medizinisch traditionell bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, insbesondere zur Unterstützung der Wundheilung. Zusammensetzung, Geschmack, Farbe und biologische Eigenschaften variieren je nach Herkunft, Pflanzenflora und Verarbeitung.
Honig besteht überwiegend aus Glukose und Fruktose sowie kleineren Mengen weiterer Zucker. Zusätzlich enthält er Proteine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Enzyme, Polyphenole und Flavonoide. Seine antimikrobiellen Eigenschaften werden unter anderem mit der hohen Osmolarität, dem niedrigen pH-Wert sowie enzymatisch gebildetem Wasserstoffperoxid in Verbindung gebracht.
Von besonderem Interesse ist Manuka-Honig aus der neuseeländischen Südseemyrte (Leptospermum scoparium). Seine antibakterielle Aktivität wird vor allem mit dem Gehalt an Methylglyoxal in Verbindung gebracht. Manuka-Honig unterscheidet sich damit in Zusammensetzung und biologischen Eigenschaften von anderen Honigsorten.
Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen wurde Honig vor allem zur Prophylaxe und Behandlung der oralen Mukositis unter Strahlen- und/oder Chemotherapie untersucht.
Wirksamkeit
Zum Einsatz von Honig in der antitumorösen Therapie konnten keine klinischen Studien identifiziert werden.
Zum Einsatz von Honig in der onkologischen Supportivtherapie gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien folgenden Indikationen:
Prophylaxe der radiogenen oralen Mukositis: Es gibt einen Anhaltspunkt für eine Wirksamkeit von Honig zur Prophylaxe der radiogenen oralen Mukositis bei Patientinnen und Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren unter Strahlentherapie oder Radiochemotherapie.
In mehreren randomisierten Studien war die orale Mukositis unter natürlichem oder landestypischem Honig geringer ausgeprägt oder trat später auf als in den Kontrollgruppen. In einzelnen Studien wurden außerdem eine geringere Gewichtsabnahme, weniger mukositisbedingte Schmerzen oder weniger schwere Mukositisverläufe berichtet.
Neuere Übersichtsarbeiten und Metaanalysen stützen diese Einschätzung. Eine Übersicht systematischer Reviews aus dem Jahr 2025 beschreibt eine Verringerung schwerer oraler Mukositis, mukositisbedingter Schmerzen und therapiebedingter Unterbrechungen bei erwachsenen Patientinnen und Patienten unter Strahlentherapie. Die Aussagekraft bleibt jedoch durch unterschiedliche Honigsorten, verschiedene Kontrollinterventionen, kleine Studien und methodische Einschränkungen begrenzt.
Für Manuka-Honig gibt es einen Hinweis auf fehlende Wirksamkeit zur Prophylaxe der oralen Mukositis beziehungsweise Ösophagitis unter Radio- oder Radiochemotherapie. In drei randomisierten Studien aus westlichen Ländern zeigte sich für Manuka-Honig insgesamt kein relevanter Vorteil gegenüber Placebo oder supportiver Standardbehandlung. In zwei Studien wurde zudem über eine eingeschränkte Akzeptanz beziehungsweise Compliance berichtet, insbesondere nach Beginn von Xerostomie, Dysphagie oder Mukositis.
Prophylaxe der Chemotherapie-assoziierten oralen Mukositis: Es liegen keine ausreichenden Daten vor, um eine Aussage zur Wirksamkeit von Honig treffen zu können. Die verfügbare Studie zur Behandlung einer bestehenden chemotherapieinduzierten Mukositis erlaubt aufgrund unzureichend beschriebener Patientengruppen, Chemotherapien und Mukositis-Schweregrade keine verlässliche Bewertung.
Therapie der Chemotherapie-induzierten Mukositis: Es liegen keine ausreichenden Daten vor, um eine Aussage zur Wirksamkeit von Honig treffen zu können. Ausgewertete Studie:
In der doppelblinden, 3-armigen Studie von Raeessi et al. (2014) wurden Patienten (n=75) eingeschlossen, welche eine Chemotherapie-induzierte Mukositis hatten. Allerdings werden weder die Erkrankungen, die Chemotherapien noch die Schweregrade der Mukositis berichtet. Die erste Interventionsgruppe erhielt eine Mundspüllösung mit Beclomethason, die zweite Interventionsgruppe erhielt eine Mundspüllösung aus Honig gemischt mit Instant Kaffee und die dritte Interventionsgruppe erhielt eine Mundspüllösung aus Honig. Der verwendete Honig entstammt dem Zagros Gebirge im Westen des Irans. Alle Interventionen wurden im Mund verteilt und danach geschluckt. Eine Verblindung wurde, laut der Autoren dieser Studie, durch die Hinzumischung von Kaffee-Essenz und artifiziellem Honigaroma erreicht. Die Mukositis wurde zu Beginn und nach einer Woche, mittels eines kombinierten Bewertungssystems (bestehend aus einer Schmerzskala, nicht weiter beschriebenem Fragebogen und Arzt-erhobener WHO Skala) erhoben. Die Autoren berichteten von einer statistisch signifikanten Abnahme des Schwergrads der Mukositis gegenüber den Ausgangswerten in allen drei Gruppen und am stärksten ausgeprägt in der Honig-Kaffee-Gruppe.
Aus dieser Studie gibt es einen Anhaltspunkt für die fehlende Wirksamkeit von Honig bzw. Honig-Kaffee Gemischs gegenüber einer Cortison-haltigen Mundspülung.
Aussagen in Leitlinien
Die S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024) erwähnt Honig nicht.
Die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025) differenziert zwischen natürlichem Honig, Manuka-Honig und radiogener- bzw. chemotherapieassoziierter Mukositis.
Natürlicher Honig kann zur Prophylaxe der radiogenen oralen Mukositis eingesetzt werden.
Manuka-Honig sollte zur Prophylaxe der radiogenen oralen Mukositis nicht eingesetzt werden.
Für die Anwendung von Honig zur Prophylaxe oder Therapie der chemotherapieassoziierten oralen Mukositis liegt keine ausreichende Evidenz vor, um eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz zu rechtfertigen.
Auch die MASCC/ISOO-Leitlinie bewertet natürlichen Honig als mögliches Verfahren zur Prävention der oralen Mukositis bei Patientinnen und Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren unter Strahlentherapie oder Radiochemotherapie. Diese Bewertung bezieht sich auf natürlichen Honig und nicht auf Manuka-Honig oder Gelée Royale.
Sicherheit
Honig wird im Allgemeinen gut vertragen. Bei der Anwendung im Mundraum sind jedoch Kariesrisiko, Parodontitisrisiko und Zahngesundheit zu berücksichtigen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Xerostomie nach Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich.
Ein weiteres Risiko besteht in einer möglichen mikrobiellen Kontamination. In klinischen Studien zur Mukositisprophylaxe wurde Honig teilweise sterilisiert angewendet. Bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten sollte daher besonders auf Produktqualität und hygienische Anwendung geachtet werden.
Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus oder ausgeprägten Störungen des Glukosestoffwechsels sollte der hohe Zuckergehalt berücksichtigt werden.
Manuka-Honig enthält Methylglyoxal. Aufgrund der fehlenden positiven Studienergebnisse und der Leitlinienempfehlung gegen Manuka-Honig sollte dessen Anwendung bei radiogener oraler Mukositis nicht mit der Leitlinienbewertung von natürlichem Honig gleichgesetzt werden.
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