Hintergrund
Echinacea (Sonnenhut) umfasst mehrere Pflanzenarten, darunter Echinacea purpurea, Echinacea pallida und Echinacea angustifolia. Für medizinische Zwecke werden je nach Präparat die Wurzel sowie oberirdische Pflanzenteile verwendet.
Die Pflanze stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde dort von indigenen Bevölkerungsgruppen medizinisch genutzt. Heute werden Echinacea-Präparate weltweit vor allem zur Vorbeugung und Behandlung von Infekten der oberen Atemwege eingesetzt.
Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen wurde Echinacea insbesondere aufgrund vermuteter immunmodulierender Eigenschaften untersucht. Präklinische Studien beschrieben Effekte auf verschiedene Bestandteile des Immunsystems sowie antitumorale Wirkungen einzelner Inhaltsstoffe.
Wirksamkeit
Zum Einsatz von Echinacea in der antitumorösen Therapie liegen nur wenige klinische Studien vor, die zusammenfassend keine Aussage zu einer antitumoralen Wirksamkeit von Echinacea bei Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen zulassen.
Zum Einsatz von Echinacea in der onkologischen Supportivtherapie liegen ebenfalls nur wenige klinische Studien vor. Zusammenfassend lassen die Studien keine Aussage zur Wirksamkeit von Echinacea zur Verringerung therapiebedingter Nebenwirkungen oder der Unterstützung des Immunsystems im onkologischen Setting zu.
Die Aussagekraft der Ergebnisse wird durch kleine Patientenzahlen, methodische Einschränkungen und teilweise fehlende Kontrollgruppen begrenzt. Die verfügbaren Studien untersuchten Echinacea vor allem aufgrund vermuteter immunmodulierender Eigenschaften.
Eine genaue Darstellung und Bewertung der Ergebnisse der ausgewerteten Studien findet sich in der Monografie zu Echinacea, die in englischer Sprache auf dem Portal von CAM-Cancer verfügbar ist.
Aussagen in Leitlinien
Die S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2024) erwähnt Echinacea nicht.
Auch die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Version 2.0, 2025) erwähnt Echinacea nicht.
Sicherheit
Echinacea wird im Allgemeinen gut vertragen. Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden und allergische Hautreaktionen.
Besondere Vorsicht ist bei Personen mit Allergien gegen Korbblütler geboten, da allergische Reaktionen bis hin zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben wurden.
Da Echinacea immunmodulierende Eigenschaften besitzt, wird die Anwendung bei Autoimmunerkrankungen sowie unter immunsuppressiver Therapie kritisch diskutiert. Eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems ist nicht gleichbedeutend mit einer klinisch relevanten Unterstützung der antitumoralen Immunantwort und könnte theoretisch auch unerwünschte Immunreaktionen begünstigen.
Zu möglichen Arzneimittelwechselwirkungen liegen pharmakokinetische Untersuchungen vor. In Studien an gesunden Probandinnen und Probanden wurde eine Inhibition des Cytochrom-P450-Enzymes, CYP1A2 beschrieben, während für CYP3A4 sowohl inhibitorische Effekte (intestinal) als auch induktorische Effekte (hepatisch) beschrieben werden. In einer kleinen Studie bei Krebspatientinnen und Krebspatienten wurde allerdings keine relevante Beeinflussung der Pharmakokinetik von dem CYP3A4 Substrat Docetaxel beobachtet. Die klinische Bedeutung möglicher Wechselwirkungen ist bislang nicht abschließend geklärt.